Heavy Metal

Nix im Scheddel !?
Freitag, 27. September 2002,
Kulturbundhaus, Leipzig

Zum 27. Mal fand die „Party zum Köpfe schütteln“ vom Kulturbund e.V. organisiert in der Elsterstraße statt. Längst als der Szene-Treff für Metal-Fans etabliert, zieht die Veranstaltungsreihe mit abwechslungsreichen Programmen, die einschlägige Zuhörerschaft an. Diesmal füllten ‚Mourning Ends’, ‚Disillusion’ und ‚Orth’ das Haus.

Gegen 22.00 Uhr eröffneten ‚Mourning Ends’ den Abend und das Foyer wie auch der kleine Vorraum waren sofort belagert. Die 1998 gegründete Pagan/Black Metal Band, die in diesem Jahr ihr zweites Album ‚Kriegerseele’ veröffentlichte, behandelt in zumeist deutschen Texten die germanisch-nordische Mythologie, distanziert sich allerdings ganz entschieden von jeglichem Radikalismus und im besonderen vom rechten Lager. Mit melodiösem Gitarrensound und einem treibenden Groove begeisterten die sechs Musiker aus Saalfeld ihre aufmerksamen Fans. Trotz fehlendem Sichtkontakt bildeten der Schlagzeuger und der aus Platzgründen vor die kleine Bühne verbannte Basser eine Einheit und bestimmten prägnant Rhythmus und Tempo. Leider setzte die Gesangsstimme des Gitarristen, die den Gegenpart zum growlenden Sänger zu übernehmen hatte, wenig Akzente und ging somit im allgemeinen Sound etwas verloren. Kämpfer-Chöre konnten daher nicht recht festgestellt werden.

Die zweiten am Start waren nun Disillusion. Sie begannen traditionsgemäß mit ihrem dramatischen Intro vom Band und es schien, als würde sich das Publikum noch einmal verdichten. In der folgenden Stunde brachten die begeisterten Fans den Boden zum beben und schüttelten kunstvoll ihre Haare. Die Freude an ihrer Musik, die den drei Leipzigern ins Gesicht geschrieben war, steckte mühelos die Zuhörer an. Mit teilweise grungigen Gitarrensounds, fast jazzigen Titelverläufen und ausgiebigen Soloeinlagen der Gitarristen sprengten sie musikalisch die Grenzen des Heavy-Metal, ohne diesen als Basis ihrer Musik tatsächlich zu verlassen. Für Disillusion typisch sind trotz einer schmalen Besetzung ein dichter Sound und ein durchgängiger, durch ständige Rhythmus- und Tempiwechsel äußerst abwechslungsreicher und unterschwellig aufwühlender Groove. Dabei hat es der Schlagzeuger niemals nötig, auf sein Set einzudreschen. Sein Spiel ist eher zurückhaltend und wohl akzentuiert. Die Funktion des Basses wird im Wechsel von den Gitarristen übernommen, die dann auf den Punkt mit dem Schlagzeug harmonieren. Orchestrale Einwürfe vom Band ergänzen ab und an die Musik. Unter den fachkundigen Zuhörern lautete dann auch das Urteil: „Einfach gut, mehr gibt’s nicht zu sagen.“ Schön, dass sich der Erfolg der Band auch in den Verkaufszahlen der eben erschienenen und sehr empfehlenswerten Single „The Porter“ ausdrückt. Auf das geplante Album müssen wir noch ein weilchen gespannt bleiben.

‚Orth’ aus Berlin beendeten den Abend. Ihre treue Gefolgschaft reiste gleich mit der Band an. Die vierköpfige Death Metal Band (zwei Gitarristen, Drummer und Bassist), die seit mehr als 10 Jahren mit Enthusiasmus und einigem Humor sehr hart und kompromisslos spielt, beschäftigen sich in deutschen und englischen Texten mit sozialkritischen Inhalten. Mit brachialem Gitarrensound und einem bedingungslos treibenden Rhythmus, einem hammermäßigem Groove wie aus dem Maschinengewehr räumten sie regelrecht ab. Auch das für ein paar Minuten ausgefallene Licht ließ sie nicht einen Moment zögern. Die Freude und der Spaß an der Musik einte die Band und ihre Fans, die nicht nur durch die Musik berauscht, bereit und willig zum abfeiern waren.

pepe